Parque Nacional Iberá

Argentinien hat uns also wieder! Kurz war er, der Stopover in Paraguay, dennoch sehr abwechslungsreich. Zumindest können wir nun mitreden und unseren eigenen Eindruck vom Land widergeben … und der ist aus unserer Sicht äußerst positiv!

Einige Monate ist es bereits her, seitdem wir das letzte Mal in Argentinien waren – in Buenos Aires nach der Ausschiffung von unserer Expeditionstour in die Antarktis und nach Süd-Georgien. Anfang April war das, also vor fast 5 Monaten … die Zeit rennt 😅 …

Der damalige Stopover in BA war jedoch kurz und zählt eigentlich nicht. So „richtig“ waren wir im Februar und März das letzte Mal in Argentinien und sind die Ruta 40 Richtung Süden durch Patagonien und weiter nach Feuerland und Ushuaia gefahren … sehr schön war‘s. Die Erinnerungen sind demnach positiv und wir freuen uns auf unseren Trip nach Nord-Argentinien in diesen Tagen des späten Augusts und des Septembers, des späten Winters und frühen Frühlings auf der Südhalbkugel. Vor uns liegt die koloniale Perle Argentiniens, Salta, und der andine Nordwesten Argentiniens. Ja, richtig, wir kommen wieder in die Anden! Zunächst gemächlich in Höhen von 1.000 – 2.000 Meter, sukzessive jedoch wieder hinauf bis auf 4.000 Meter und darüber …

Auf dem Weg in den Nordwesten Argentiniens führt uns die RN 12 immer an der paraguayischen Grenze auf der einen Seite und dem Parque Nacional Iberá auf der anderen Seite entlang. Hier haben wir in dieser Woche einen längeren Stop eingeplant! Warum? Weil das etwa 18.000 ha große Feuchtgebiet – das zweitgrößte der Welt nach dem Pantanal in Brasilien – Heimat einer Vielzahl und Vielfalt von Vögeln und anderen Tierarten ist und als einer der besten Plätze in ganz Südamerika gilt, um Tiere in freier Wildbahn zu beobachten.

Die Seen und Lagunen des Parks sind seicht, sie werden ausschließlich vom Regenwasser gespeist und sind in der jetzigen Trockenzeit noch deutlich seichter. Diesen fruchtbaren Lebensraum teilt sich eine verblüffende Vielzahl von Lebewesen: Kaimane aalen sich in der Sonne, Wasserschweine fressen ungestört in deren Nähe und Brüllaffen – offiziell das lauteste Tier der Welt – tun das, was sie am Besten können. Zudem gibt es hier Sumpfhirsche, Mähnenwölfe, Nutrias, Otter und … Piranhas! Deshalb ist vom Schwimmen in den Gewässern dieser Gegend abzuraten. Die Tierchen verspeisen einen zwar nicht wie im Film, können aber dennoch für üble Bisswunden sorgen. Die Einheimischen hier meinten, daß man nur in Bewegung bleiben müsse, um nicht von diesen Tierchen gebissen zu werden … bietet sich beim Schwimmen auch generell an, um nicht unterzugehen 😂.

Nach drei Tagen in dieser ruhigen und wunderbaren Naturoase geht es für uns morgen zurück auf die RN 12 und weiter gen Westen … Salta, wir kommen!

Gegensätze

Nach unserem Grenzübertritt am vergangenen Montag von Brasilien nach Paraguay gibt es nicht wirklich viel zu berichten. Einerseits wollen wir nicht wirklich lange in Paraguay bleiben und primär den Süden bereisen. Andererseits war für diese Woche ein Wintereinbruch prognostiziert. Naja, immerhin ist der August der mitteleuropäische Februar, da kann das schon mal passieren. Bedeutet hier tagsüber Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad, nachts auch gerne mal unter 10 Grad. Zudem war ordentlich Regen ab Donnerstag angekündigt. Zu guter Letzt hat mein Körper diese Umstände ab Mitte der Woche genutzt, um sich mit einer ordentlichen Erkältung mal eine Auszeit zu nehmen – es sei ihm gegönnt.

So blieb diese Woche eher arm an Highlights, das größte ist wahrscheinlich der Erwerb unseres Starlink-Equipments im „Kaufhaus Südamerikas“, der Grenzstadt Ciudad del Este in Paraguay. Ein Konsum-Molloch allererster Güte … grelle Werbereklamen zieren die Stadt, Marktschreier aller Orten, Massen an Konsum-Touristen aus ganz Südamerika und ein Mega-Kaufhaus neben dem anderen im Stadtzentrum. Nachdem wir uns dort bei (am Montag noch) heißen 35 Grad durch 4 Kaufhäuser gekämpft und Preise verglichen haben, konnten wir unser eigenes Starlink-Satelliten-Internet als neuen Bewohner von Chop-Chop begrüßen … fehlte eigentlich nur noch die persönliche Signatur von Elon Musk auf dem Gerät, dann wäre dieser schräge Tag perfekt gewesen 😎😜

Nun gut, die Nacht blieben wir auch noch in Ciudad del Este und glücklicherweise ist Chop-Chop nicht verkauft worden … obwohl es genug Interessenten gab 😂. Am Dienstag ging es dann jedoch schnellstens ins „echte“ Paraguay, das sieht nämlich ganz anders aus: ländlich, modern, traditionell, familiär, ruhig, europäisch wären so die Adjektive, die mir einfallen.

Aufgrund der angekündigten massigen Regenfälle ab Donnerstag sahen wir zu, daß wir umgehend zu unserem nächsten Ziel, die argentinisch-paraguayische Grenzstadt Encarnación am Rio Parana, gelangen. Unterwegs lagen die historisch relevanten und von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannten Ruinen ehemaliger Jesuiten-Missionen in Paraguay, zwei wunderbare Anlagen, in denen wir sehr eindrucksvoll die nicht einfache Missionierung der indigenen Bevölkerung mit christlichem Gedankengut im 16. und 17. Jahrhundert nachvollziehen konnten.

Encarnación wiederum soll die schönste Stadt Paraguays sein. Davon wollten wir uns selbstverständlich selbst überzeugen und blieben demnach den Rest der Woche bis zum heutigen Sonntag in dieser angenehmen, hübschen und ruhigen Stadt am zum See aufgestauten Rio Parana. Zahlreiche schöne, künstlich angelegte weiße Sandstrände an der schicken kilometerlangen Costanera (Uferpromenade) unterstreichen die Ambition der Karnevalshochburg Encarnación, eine Alternative zu Rio de Janeiro zu sein … ambitionierte Ziele schön und gut, aber utopisch müssen sie ja nicht gleich sein 😂.

Da ich gesundheitlich angeschlagen war, kam mir ein verregneter Donnerstag und Freitag zur Genesung entgegen. Leider ist es auch am heutigen Sonntag noch nicht wirklich besser, naja, Augen zu und durch … und ab über den See nach Argentinien. Neues (altbekanntes) Land, neues Glück …

Hilft an verregneten Tagen … 😎
Skyline von Posadas

Naturgewalt

Diesen Nachtrag möchten wir euch nicht vorenthalten, da wir am vergangenen Sonntag nach der brasilianischen auch die argentinische Seite des Iguaçu-Wasserfalles angeschaut haben – mit ganz anderen und extrem eindrucksvollen Perspektiven.

Sieht man von der brasilianischen Seite die Wasserfälle primär als Panorama auf gesamter Länge aus der horizontalen Perspektive, wird einem auf der argentinischen Seite noch einmal ein ganz anderes und extrem eindrucksvolles Spektakel geboten, indem man an die großen Wasserfälle inklusive dem „Garganta do Diabo“ – dem Teufelsschlund – von oben ganz nah heran kommt. Schaut dazu auch unbedingt unser Video vom 18. August 2024 an … atemberaubend!

Was für uns jedoch absolut unverständlich war, war das Zutrittsszenario zu einem der größten Attraktionen Argentiniens. Dieses machte mal wieder mehr als deutlich, daß in diesem Land leider wirtschaftlich und organisatorisch einiges im Argen liegt.

Üblicherweise ist an einem Sonntag mit regem Besucheraufkommen zu rechnen, insbesondere dann, wenn im Nachbarland Paraguay in der Woche zuvor ein Feiertag war und viele Paraguayer diesen genutzt haben, um ein langes Wochenende einzuläuten und dieses u.a. bei den unmittelbaren argentinischen Nachbarn zu verbringen. So war es dann auch – der Andrang war groß!

Die organisatorisch Verantwortlichen des Parque Nacional Iguazù hatten das so irgendwie gar nicht auf dem Schirm und lediglich 2 Kassenhäuschen besetzt, vor denen sich bereits morgens um 10 Uhr lange Schlangen bildeten. Doch damit nicht genug. Nach 45-minütigem Anstehen teilte uns die gute Dame im Kassenhäuschen mit, daß VISA Kreditkarten heute leider nicht funktionieren, Mastercard und American Express hingegen schon. Hmmm, dachte ich mir, gut, daß ich immer redundant unterwegs bin und neben VISA auch meine Amex-Karte mit dabei habe. Freudig überreichte ich diese der Dame. „Lo siento, lo siento, Amex tampoco funciona hoy“, bekam ich als Antwort. Ich konnte erahnen, was sie damit meinte …

Wie ich denn nun den Eintritt zahlen solle, fragte ich sie. Kein Problem, erwiderte sie, Bargeld geht immer 😂 und nebenan ist gleich ein Geldautomat. Was sie verschwieg: auch hier bildete sich bereits eine lange Schlange frustrierter VISA-Kreditkarten-Besitzer. Zudem hatte ich auf unseren vorherigen Aufenthalten in Argentinien tunlichst darauf verzichtet, Geld an Geldautomaten zu ziehen. Erstens kannst Du maximal 50 Euro in lokaler Währung abheben und zweitens musst Du dafür etwa 7 Euro Gebühr bezahlen … pro Abhebung versteht sich. Das sind faktisch 14% Gebühren … Wucher! Da wir den beiden deutschen Bekanntschaften aus dem Bus ebenfalls aus der Patsche helfen mussten, waren somit ganze 4 (!) Abhebungen und 28 Euro an Gebühren fällig … unglaublich!

Letztlich waren wir abends dennoch froh, daß wir den Besuch trotz aller Hindernisse machen konnten. Der Park auf der argentinischen Seite ist spitze, hat tolle Wanderwege durch eine einmalige Natur, einen Zug, der die Gäste durch den Park fährt, gute Infrastruktur und eine einmalige Lage in unmittelbarer Nähe dieses grandiosen Naturschauspiels.

Damit wollen wir das Kapitel Iguazù-Wasserfälle und Brasilien nun aber schließen und das Kapitel Paraguay in dieser Woche aufschlagen. Das jedoch ist eine andere Geschichte …

Dreiländereck

Das Dreiländereck zwischen Brasilien, Argentinien und Paraguay ist eine äußerst spannende Region, die sehr viel zu bieten hat! Hier verbringen wir derzeit eine knappe Woche, um die Schönheiten dieser Region bis zu unserer Ausreise aus Brasilien am Anfang kommender Woche zu bewundern …

Ein brasilianisch-paraguayisches Gemeinschaftsprojekt ist der weltweit zweitgrößte Staudamm, kurz Itaipu-Binacional genannt. Mit einer Kapazität von 14 Millionen Kilowatt ist dieser bi-nationale Staudamm das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt und jenes, das pro Jahr am meisten Strom produziert. Das gewaltige, 8 Kilometer lange und 200 Meter hohe Bauwerk ist ein denkwürdiger Anblick! Dabei war das Projekt lange umstritten, da die Finanzierung auf brasilianischer Seite lange Zeit nicht klar war und Brasilien letztlich hohe Kredite aufnehmen musste. Zudem wurden große Flächen von Regenwald zerstört und rund 10.000 Menschen mussten umgesiedelt werden. Dennoch ist das Projekt ein gutes Beispiel für die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Das Wasserkraftwerk erzeugt heute auf nachhaltige Art und Weise 75% des paraguayischen und 17% des brasilianischen Energiebedarfs!

Der etwa 5 Hektar große „Parque das Aves“ ist ein fantastischer Vogelpark, in dem die ornithologische Vielfalt Südamerikas eindrucksvoll und hautnah zu bewundern ist. Der Park ist Heimat von 800 Vogelarten, wie dem roten Ibis, Flamingos in Hülle und Fülle und farbenprächtigen Papageien. Alle Tiere leben in 8 Meter hohen Volieren, die mitten in den Dschungel gebaut wurden und durch die man größtenteils hindurch gehen kann. Auf diese Weise kann man die faszinierende Vogelwelt Südamerikas wirklich hautnah erleben. Wir waren nach dem Besuch aus dem (Vogel-)Häuschen 😁 …

Das absolute Highlight der gesamten Region, des ganzen Landes, des Kontinents und wohl auch weltweit sind die spektakulären Iguaçu-Wasserfälle, ein UNESCO-Weltnaturerbe und eines der sieben „neuen Weltwunder“.

Der Rio Iguaçu entspringt in den Küstengebirgen von Parana und Santa Catarina in der Nähe von Curitiba. Er schlängelt sich über rund 600 Kilometer an der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien entlang Richtung Westen. Unterwegs münden ein paar Nebenflüsse in ihn, so daß sich seine Fluten majestätisch ausbreiten und nach einem Bogen durch die brasilianische Regenwaldlandschaft an den Iguaçu-Fällen dramatisch in die Tiefe stürzen. Tausende Jahre bevor die Kaskaden durch die Europäer „entdeckt“ wurden, waren sie eine heilige Begräbnisstätte der Tupi-Guarani und der Paraguas, indigene Völkergruppen. 1541 stieß der Spanier Don Alvar Nuñez auf die Wasserfälle und taufte sie „Saltos de Santa Maria“. Der Name setzte sich jedoch nicht durch, stattdessen hielt sich die Bezeichnung der Tupi-Guaranis: Iguaçu – große Wasser … der Name passt 😜 …

Es ist schlicht atemberaubend, auf der größten Attraktion des „Parque Nacional do Iguaçu“, der Trilha das Cataratas (Wasserfall-Wanderweg) die 1.200 Meter entlang des Rio Iguaçu zu spazieren und einen spektakulären Blick auf die Fälle nach dem anderen zu erhaschen. Darüber hinaus bekamen wir bei der Wanderung einen tollen Überblick über das gesamte Gebiet, da man auf der brasilianischen Seite die Gesamtheit der Wasserfälle im Blick hat. Auf der argentinischen Seite, die wir morgen besuchen werden, kommt man hingegen näher an die Fälle heran. Der Trilha das Cataratas endet schließlich am Fuße der grandiosen Garganta do Diabo, dem Teufelsschlund … der Name passt auch …

Auf einem Steg, auf dem wir durch die Gischt des Wasserfalles ordentlich naß wurden, gelangten wir quasi über die Fälle bis in die Mitte des Flusses und spürten unmittelbar die gigantische Kraft der herabstürzenden Wassermassen, die uns auf allen Seiten umschlossen … ein wahrhaft atemberaubendes Erlebnis, das wir sicher nie vergessen werden.

Zumindest für mich kam es aber noch besser, für Natalie eigentlich auch, da sie nicht mit musste bei dem, was ich beschloß, zu tun: eine Bootsfahrt mit einem Speedboot bis unter die Wasserfälle! Im Nachhinein eine weise Entscheidung, berücksichtigt man Natalies Hang zur Seekrankheit. Die Tour war der heftigste Höllenritt, den selbst ich als erfahrener Achterbahnfahrer je erlebt habe, die ehemalige Bootstour zu den Niagarafällen dagegen im Vergleich eine Kaffeefahrt. Mit einem Höllentempo rasten wir bereits auf dem Weg zu den Katarakten mit schlagartigen Richtungswechseln durch die Stromschnellen, so daß die Wellen mit voller Wucht auf das Boot trafen. Hatte ich erwähnt, daß ich in der ersten Reihe saß? Ein Mega-Spaß – ein mega-nasser ebenso!

Aber rein gar nichts gegen die Fahrt direkt unter einen der großen der 275 Wasserfälle, die sich auf den 3 Kilometern die Klippen herunter stürzen. Adrenalin pur! Wasser pur! Naturkräfte pur! Und klitschenaß durch und durch …

Immer wieder und besonders in diesem Moment wurde mir erneut klar, warum Reisen soooo viel Spaß macht, daß die Welt soooo viele atemberaubende Momente zu bieten hat für den, der bereit ist, seine Komfortzone zu verlassen und daß das, was wir gerade tun mit Abstand das beste ist, was wir hätten tun können … wir genießen das Leben in vollen Zügen!

Deutschland in Brasilien

Besser kann man es nicht beschreiben, wenn man sich in das „Vale Europeu“ (Europäisches Tal) begibt. Eigentlich müsste dieses „Vale Alemanha“ (Deutsches Tal) heißen, fahren wir doch durch sich so anmutend anhörende Städte, wie Blumenau, Pomerode und Schroeder 😂, Relikte deutscher Einwanderer aus dem 19. und 20. Jahrhundert … neuerdings auch vermehrt aus dem 21. 🤔

Das Gefühl dabei, in Brasilien zu sein und durch Städte zu fahren, die so ganz anders sind, als viele andere brasilianische Städte, ist merkwürdig. Es ist eine Mischung aus Slapstick und fremdschämen. Deutschland-Aufkleber auf vielen Autos, Deutschland-Fahnen hängen überall, es gibt Biergärten, Schwarzwälderkirschtorte und Schwarzbrot … schräg …

Schlachtplatte für über 40 Euro … auch die Preise sind deutsch …

Den Vogel schießt letztlich der „Vila Germanica Park“ in Blumenau ab. Sicher, in Blumenau wird alljährlich im Herbst das größte Oktoberfest außerhalb Münchens zelebriert, aber muß man deswegen mitten in der Stadt eine künstliche germanische Oase des Tourismus, des Bierkonsums und alemannischer Folklore bauen, um auch die restliche Zeit des Jahres ausgelassen feiern zu können? Offensichtlich ja, denn der Park war gut gefüllt – mit Brasilianern aus dem ganzen Lande. Nun gut, ein „Blumenau Pilsener“ haben wir uns dann in der „Blumenau Bier Vila (seit 2011)“ auch gegönnt, schmeckte trotz junger Brautradition. Ob das deutsche Reinheitsgebot auch wirklich eingehalten wurde, ist hingegen nicht überliefert 😎.

In Pomerode ging es dagegen deutlich gemächlicher zu, ganz in der Tradition eines idyllischen Schwarzwalddörfchens. Wer kein Oktoberfest, keine Biertradition und keinen Deutschland-Park hat, fällt halt hinten runter. Für uns nicht, hier ließen wir uns sogar dazu verleiten, durch die schläfrige Innenstadt zu schlendern. Mit Cappy und Sonnenbrille versteht sich, wir wollten ja nicht gleich als Sympathisanten deutschen Volksgutes entlarvt werden. Obwohl – Chop-Chop machte uns diesbezüglich einen Strich durch die Rechnung. Mit seiner zweifelsfreien, ihn durch das Nummernschild entlarvenden Abstammung aus Germanien waren uns die Grüße und die Neugier der Einwohner bei der Fahrt durch das Dorf sicher … da half es auch nicht, daß der Gute ein Franzose (Citroën) ist …

So gaben wir hinter dem Pomerode-Ortsschild dann auch ordentlich Gas, um wenige Kilometer weiter das Örtchen Schroeder nur aus dem Augenwinkel erspähen zu müssen.

Das erste Haus am Platz in Schroeder heißt natürlich … Schroeder 😂

Am heutigen Mittwoch sind wir demnach bereits 750 Kilometer weiter westlich im Dreiländereck Brasilien, Argentinien und Paraguay angekommen. Hier erwartet uns neben dem Trubel, der Grenzregionen zueigen ist, ein weiteres absolutes Highlight unserer Südamerika-Reise …. die Iguaçu-Wasserfälle.

Kaum etwas soll mehr beeindrucken, als das Donnern und Rauschen des Rio Iguaçu, der sich zwischen Argentinien und Brasilien erstreckt und Ursprung der Iguaçu-Fälle ist. Auf einem mehr als 3 Kilometer langen und 80 Meter hohen Areal stürzen sich ganze 275 Kaskaden in die Tiefe. Das Gebiet ist breiter als die Victoria-Fälle, höher als die Niagara-Fälle und soll schöner als beide sein. Quod erat demonstrandum – was zu beweisen wäre!

Wir werden berichten … stay tuned …

Floripa & Ilha Santa Catarina

Noch 1,5 Wochen haben wir vor uns, dann läuft unsere Aufenthaltsgenehmigung für uns und Chop-Chop in Brasilien aus. Schon jetzt macht sich bei uns Wehmut breit, haben wir das Land und seine Menschen doch sehr ins Herz geschlossen und Brasilien sich an allen vorbei auf unserer persönlichen Rangliste der Lieblingsländer Südamerikas auf Rang 1 geschoben … das dürfen wir den Argentiniern natürlich nicht sagen 😜.

So sehr wir es zudem geliebt haben, immer am Atlantik entlang die sensationelle Küste Brasiliens über 1.350 Kilometer von Buzios über Rio de Janeiro, die Costa Verde und Paranagua bis nach Florianopolis und die Ilha Santa Catarina immer wieder neu und in Nuancen anders zu erleben und zu erkunden, so bleibt uns heute nichts anderes übrig, als dem Atlantik zunächst einmal „Bye-bye“ zu sagen. Nach Ablauf der Aufenthaltsgenehmigung mußt Du Dich nämlich aus dem Land verabschieden. Das geht im Süden nur nach Uruguay und die nördlichen Grenzen nach Französisch-Guayana oder Venezuela liegen 4.500 – 5.000 Kilometer entfernt … kaum zu schaffen in 1,5 Wochen.

Bleibt für uns der Westen, den wir anpeilen. Es geht für uns die kommenden 3 Monate zurück nach Argentinien und zwar in den Norden. Für uns bisher noch unerschlossenes Land. Der Weg dorthin führt uns zudem über ein neues Land – Paraguay. Für uns ebenfalls ein unbeschriebenes Blatt und so wirklich haben wir auch keine Vorstellung von dem Land … das wird sich ändern. Von Nord-Argentinien werden wir dann wieder in die Höhen der Anden aufsteigen und über Boliviens Hauptstadt La Paz in das Herz des Inka-Reiches nach Peru reisen. Hier wartet unter Anderem ein Highlight auf uns … die heilige Stadt der Inkas – Macchu Picchu.

Zurück in die Gegenwart …

Zunächst ging es für uns am Mittwoch noch ein Stückchen weiter gen Süden für einen mehrtägigen Abstecher in den Bundesstaat Santa Catarina – und zwar in die Hauptstadt Florianopolis, von den Einheimischen nur kurz Floripa genannt, sowie auf die an Floripa angedockte Insel der digitalen Nomaden, Hippies und Anhänger der LGBTQ-Szene … die Ilha Santa Catarina.

Gegensätze allerorten – Floripa und die Ilha Santa Catarina

Hier verbrachten wir bis zum heutigen Sonntag ganze 4 Tage an unterschiedlichen Orten, um die abwechslungsreiche Insel kennenzulernen. Und was sollen wir sagen? Die nächste wundervolle Insel! Aufgrund ihrer Gegensätze ist die Ilha Santa Catarina jedoch ganz anders als die anderen zuvor – was sicherlich auch daran liegt, daß sie deutlich größer ist, als die Ilha Grande oder die Ilha do Mel.

Touristenstädtchen und dörflicher Charme, blaue Lagunen und windumtostes Meer, grüne Regenwälder und riesige Sanddünen, traditionsbewußte Einheimische und digitale Nomaden. Dazu Heteros, Homos, Lesben, Bi- und Transsexuelle, Hippies, Surfer und FKK-Anhänger … die Insel ist Diversität pur und deshalb so einzigartig und wunderbar. Selbst die Hauptstadt des Bundesstaates, Florianopolis, hat sich dem angeschlossen … ein Teil der Stadt, die historische Altstadt, das Stadtzentrum, die Behörden und viele Siedlungen der Gutbetuchten liegen auf der Insel. Die andere Hälfte der Stadt, das Hafen- und Arbeiterviertel, Einkaufszentren, die gängige städtische Infrastruktur und die Wohnsiedlungen der Mittel- und Unterschicht liegen auf dem Festland. Und was soll ich sagen … bei den zwei Brücken, die die beiden Stadtteile verbinden, handelt es sich um eine historische Stahlbrücke nach dem Vorbild der Golden Gate Brücke in San Francisco, die sonntags für den Verkehr geschlossen ist, und um eine dreispurige Betonbrücke, über die 24×7 die LKWs donnern … Diversität pur halt in allen Facetten …

Ilha do Mel

Den Bundesstaat Parana, in dem das UNESCO Biosphärenreservat der Ilha do Mel liegt, gibt es erst seit 1853, nach seiner Abspaltung von São Paulo. Seitdem ist die Konkurrenz zwischen den beiden Bundesstaaten groß und sie werden immer wieder miteinander verglichen. Und tatsächlich haben beide Bundesstaaten einige Superlative gemeinsam, gehören sie beispielsweise zu den Bundesstaaten mit dem höchsten Lebensstandard und der bestgebildeten Bevölkerung in Brasilien. Beides konnten wir sehr gut auf unserer Fahrt durch São Paulo und Parana erkennen und erleben.

Das idyllische Kolonialstädtchen Morretes am Fuße der Serra do Mar …

Auf dem Weg zur Ilha do Mel, durchquerten wir das ruhige Kolonialstädtchen Morretes, idyllisch in einer smaragdgrünen Ebene am Fuße der Serra do Mar gelegen. Von dort aus ging es zügig in einer knappen Stunde über Paranagua nach Pontal do Sul, von wo aus die Fähren auf die Ilha do Mel abfuhren.

Die wie eine Sanduhr geformte Insel ist der unberührteste und malerischste Urlaubsort im gesamten Süden Brasiliens und liegt strategisch günstig am Eingang zur Baia de Paranagua. Ein mächtiges, direkt am Strand gelegenes pittoreskes Fort aus dem 1760er Jahren, die Fortaleza de Nostra Señora dos Prazeres, zeugt von der militärisch relevanten Geschichte der Insel. Die „Honiginsel“ wird insbesondere für ihre wilden Strände, die guten Wellen zum Surfen und ihre malerischen Küstenwanderwege geschätzt. Sandige Wege durchziehen die Insel, auf der es kein einziges Auto gibt. So ist die Ilha do Mel ein Refugium für Surfer und Strandurlauber sowie für alle, die Erholung, ein schlichtes Ambiente und Abgeschiedenheit suchen. Im derzeitigen brasilianischen Winter kommen diese Aspekte aufgrund der geringen Touristenzahl deutlich stärker zur Geltung, insbesondere an Tagen, wie dem unseres Besuchs, an dem im Winter üblicher mystischer Küstennebel über den dann windstillen Stränden und Regenwäldern hängt und die Insel surreal-gespenstisch erscheinen lässt.

Wir haben den Ausflug auf die Insel sehr genossen und die Ruhe, Abgeschiedenheit und unberührte Natur bei ausgedehnten Küstenwanderungen auf uns wirken lassen. Immerhin hatten wir am Ende des Tages gute 25.000 Schritte auf dem Tacho … not bad!

Go West …

Wie im Klassiker der Pet Shop Boys besungen, geht es auch für uns ebenso kontinuierlich westwärts. Von Paraty aus verbrachten wir die restlichen Tage der Woche und das Wochenende mit „Beach Hopping“ entlang der wunderschönen Serra do Mar im westlichen Teil der Costa Verde Richtung São Paulo.

Der relativ kleine Bundesstaat São Paulo hält nämlich viel mehr Strände bereit, als ich in einem Beitrag jemals auflisten könnte, darunter einige der besten Strände Südostbrasiliens. Wie man aus den letzten Beiträgen unmissverständlich entnehmen konnte, sind die Strände, die dschungelbewachsenen Berglandschaften des atlantischen Regenwaldes und die pittoresken Kolonialstädte der uneingeschränkte Star dieses Reiseabschnitts.

Über Trindade, Picinguaba und Ubatuba ging es für uns in kurzen Etappen nach Juquehy an der Paulista-Küste … so benannt aufgrund ihrer Nähe zur mit 20 Millionen Einwohnern größten Stadt der südlichen Hemisphäre, São Paulo.

In Juquehy, einem beliebten Familienausflugsziel der Paulistanos, wie die Einwohner São Paulos genannt werden, ließen wir uns am Freitagnachmittag nieder … in einer Seitenstrasse zwischen 2 Hotels und direkt am Strand versteht sich 😎. Vorteil? Beidseitige Parallelbeschallung … das Wochenende war gerettet! In einem Familienausflugsziel gibt es jedoch glücklicherweise eine kinderfreundliche Sperrstunde, ab 22/23 Uhr konnten wir selig bei Wellenrauschen einschlummern 🌊.

Um Natalies Russischkenntnisse nicht verkümmern zu lassen, entschieden wir abends, der Gastronomieszene des Örtchens einen Besuch abzustatten und bei einem vor 12 Jahren nach Brasilien immigrierten Armenier zu speisen. Endlich hatte ich einmal „Sprechpause“ und Natalie konnte die gesamte abendliche Kommunikation auf russisch übernehmen. Armenische Küche in Brasilien, zumindest ungewöhnlich … aber lecker!

Costa Verde

Wer glaubt, Rio sei nur eine Stadt, hat sich getäuscht! Der ebenso faszinierende gleichnamige Bundesstaat beherbergt Brasiliens größte Schätze, die zudem von der „Cidade Maravilhosa“ (wunderbare Stadt) – wie Rio auch genannt wird – leicht mit ein paar Stunden Fahrt zu erreichen sind.

Einige dieser Schätze, wie die Kaiserstadt Petropolis und die Costa do Sol an der Ostküste, hatten wir bereits besucht. Im Westen liegen die Buchten, Strände, Inseln, Wasserfälle und die mit dichtem atlantischem Regenwald bewachsenen Berge der Costa Verde – unser Ziel in dieser Woche. 

Zu unseren Highlights auf diesem Roadtrip zählen die Architektur des 18. Jahrhunderts in der kolonialen Altstadt von Parati und das Inselparadies der Ilha Grande, wo Dutzende Wanderwege zu über 100 der abgelegensten und atemberaubendsten Strände des Landes führen.

Nachdem wir nach endlosen Kilometern auf einer mehrspurigen Schnellstraße und rund einer Stunde Fahrzeit endlich Rio de Janeiro verlassen hatten, erreichten wir kurze Zeit später bereits den bezaubernden Küstenstreifen der Costa Verde, wo urwaldüberwucherte, mit blühenden Bäumen gesprenkelte Berghänge jäh zum blaugrünen Meer hin abfallen. Die Panoramastraße schlängelt sich an diesen Bergen in engen Kurven entlang und eröffnet wechselnde Panoramen aus Buchten, Stränden, Inseln, Gipfeln und Wasserfällen. Wir kamen uns vor, wie auf einer Fahrt durch einen botanischen Garten der Extraklasse!

Die Panoramastrasse der Costa Verde … auf der einen Seite smaragdgrüner atlantischer Regenwald, auf der anderen traumhafte Strände und türkisfarbenes Meer

Unseren ersten Zwischenstop erreichten wir nach 150 Kilometern, den Küstenort Mangaratiba, von wo aus die Fähren zur Ilha Grande abfahren. Nachdem wir den Sonntag dort am Strand verbracht und abends den brasilianischen Barden in den Kneipen am Strand beim Trällern zugehört haben, wollten wir am späteren Abend dann auch zu Bett, weil die Fähre am kommenden Morgen bereits früh losfuhr. Wir ignorierten bei dieser Idee jedoch, daß wir an einem Wochenende direkt am Strand und der Ausgehmeile der Locals standen. Konsequenz? Kurzer Schlaf! Brasilianer sind nämlich ausgesprochen ausdauernde Karaoke-Sänger und zudem Meister des Beschallens kompletter Ortschaften mit Monsterbässen. Gut – wir hätten auch wegfahren können … das wäre dann aber doch zu einfach gewesen 😜.

Zu allem Überfluss hat unsere Wetter-App uns auch noch eine Fake-Voraussage für den Folgetag geliefert, so daß wir die Zeit auf der wunderschönen Ilha Grande bei überwiegend bedecktem Wetter verbringen durften … zum Wandern gut, um paradiesische Fotos zu schießen eher schlecht. Sei‘s drum, ein paar schöne Schnappschüsse von dieser traumhaften Tropeninsel sind uns dennoch gelungen.

Ein Tagesausflug, wie wir ihn unternommen haben, ist definitiv zu kurz, um diese wunderbare Insel auch nur annähernd so intensiv, wie nötig, erkunden zu können. Deshalb kann ich jedem, der die Insel besuchen möchte, nur wärmstens empfehlen, mindestens 2-3 volle Tage vor Ort zuzüglich An- und Abreise einzuplanen. Andernfalls wird man es – wie wir – bereuen 🥲.

Zurück auf dem Festland, ging es für uns am kommenden Morgen weiter auf der Küstenstrasse Richtung UNESCO-Welterbestadt Parati inmitten der idyllischen Landschaft der Costa Verde, von der wir übrigens auf der Weiterfahrt nicht viel erkennen konnten, da das Schlechtwettergebiet mittlerweile auf Dauerregen umgestellt hatte. Die im 17. Jahrhundert gegründete Hafenstadt begeistert mit ihrer exzellent erhalten gebliebenen kolonialen Altstadt aus dem 18. Jahrhundert und der legendären Schönheit ihrer Strände, von denen einige zu den schönsten Brasiliens zählen. Wir nutzten die Gunst der Stunde und das schlechte Wetter, um den Nachmittag mit Zeit im Waschsalon und mit dem Wocheneinkauf zu verbringen.

Legendär ist die Schönheit der Strände rund um Parati

Am heutigen Mittwochmorgen wurden wir dann mit Kaiserwetter entlohnt für die letzten beiden Tage. So machten wir uns nach dem Frühstück auf zur Besichtigung des historischen Stadtzentrums. 

Weiße Häuser mit bunten Schmuckleisten zieren die koloniale Altstadt Paratis

Kaum eine Stadt in Brasilien hat übrigens eine vergleichbar spektakuläre Lage an einer mit Inseln übersäten Bucht vor dem Hintergrund steiler dschungelbedeckter Berge. In den verkehrsberuhigten Strassen der Altstadt – nimmt man mal die zahlreichen Kutschen aus – reihen sich elegante weiße Häuser mit bunten Schmuckleisten und Gitterfenstern aneinander und verschmelzen harmonisch mit der Schönheit der Natur ringsum. Die Altstadt zu erkunden machte uns viel Spaß, wir mussten jedoch höllisch aufpassen, daß wir uns auf dem originalen, ehemals von Sklaven verlegten Kopfsteinpflaster keinen Bänderriss zuzogen.

Mit fangfrischen Garnelen vom Fischmarkt gab es abends leckere Spaghetti in Sahnesosse … was für ein schmackhafter Abschluss des Tages und großer Applaus für die Köchin 😋.