Deutschland in Ecuador

Es scheint mittlerweile so, daß deutsche Kultur und Kulinarik in fast jedem Land Südamerikas in der einen oder anderen Form anzutreffen ist. Waren es die Nachfahren deutscher Aussiedler in Blumenau (Brasilien) und deutsche Expats im Club Germania in Lima (Peru), die wir besuchten, so ist es hier in Ecuador ein von Hansjörg Schütter, gebürtiger Nord-Deutscher, liebevoll hergerichteter Campingplatz in Ibarra mit dem alles sagenden Namen „Finca Sommerwind“, der uns eine echte Manta-Schale mit Erdinger Weißbier alkoholfrei bescherte 😂. Kulinarische Abwechslung kam uns trotz des schmackhaften südamerikanischen Essens hier durchaus ganz gelegen … ! 😜

Hansjörg und die „Finca Sommerwind“ sind für Overlander und Reisende aller Art quasi eine Institution in Ecuador und ganz Südamerika! Er, seine Frau und seine Angestellten kümmern sich rührend um alle Angelegenheiten ihrer Gäste – auch jenseits kulinarischer Gelüste …

Ist am Fahrzeug was zu tun? Hansjörg kennt den passenden Handwerker! Hat der Körper Wehwehchen? Hansjörg kennt einen guten Arzt (oder passende Heilkräuter)! Hat man offene Fragen zu Ecuador und ganz Südamerika? Hansjörg weiß die Antwort (oder jemanden, der sie weiß)! Dies und vieles mehr sind gute Argumente, die (fast) jeden Reisenden auf der Panamericana mindestens einmal auf seinen Campingplatz treibt, so auch uns …

Hansjörg hat auf alle Fragen eine Antwort und für alle Probleme eine Lösung …

Wirklich vorbei fahren kann man eigentlich auch nicht, liegt Ecuador und Ibarra zwingend und unausweichlich auf dem Weg jedes Panamericana-Reisenden, egal ob von Alaska nach Feuerland oder umgekehrt. Alternativen über Land von Kolumbien nach Peru oder umgekehrt gibt es nur unter Inkaufnahme eines Mega-Umweges über Venezuela und Nord-Brasilien inklusive Durchquerung des Amazonas-Beckens, was straßentechnisch eine echte Herausforderung darstellt und kilometertechnisch einige tausend Fahrkilometer zusätzlich bedeutet!

Unser Lieblingshund „Sue“ … so eine Liebe 🥰

Ein durchaus auch für uns relevanter Aspekt: In Kolumbien stellt sich nämlich für uns spätestens die Frage der Route zum Hafen der Rückverschiffung – Montevideo in Uruguay. Von Kolumbien aus immerhin rund 10.000 Kilometer süd-östlich gelegen. Die oben genannte Ost-Route führt durch das versorgungstechnisch schwierig zu bereisende Venezuela und das Amazonas-Becken … reizvoll … und unwägbar aufgrund etwaiger Witterungs- und Strassenbedingungen, die sich hier täglich ändern können. Die planungssicherere Variante ist die Rückreise auf der Panamericana-Westroute bis mindestens Süd-Peru. Erst hier bietet sich strassentechnisch über Puerto Maldonado die Option der Einreise nach Brasilien ins südliche Amazonas-Gebiet und weiter an den Atlantik, von wo aus man immer südwärts nach Montevideo fahren kann. Eine Option, die Stand heute unsere Präferenz genießt.

Wer kein Netz zum Angeln hat, nimmt Bambusstöcke!

Aber noch ist es nicht so weit! Zunächst steht Kolumbien auf dem Plan, die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel. Was dies in Kombination für uns bedeutet, erfahrt ihr zu gegebener Zeit, gespoilert wird hier nicht 😉.

Nachdem wir Hansjörg und seiner Finca Anfang der Woche „Auf Wiedersehen!“ gesagt hatten, fuhren wir vom Hochland Ecuadors und der „Strasse der Vulkane“ westwärts in den subtropischen Nebelwald auf unmittelbarer Höhe des Äquators … Ziel: Mindo – das Zentrum des subtropischen Naturschutzgebietes … das jedoch ist eine andere Geschichte 😎 …

Südamerika in einem Land

Unsere erste Destination in Ecuador war in dieser Woche die alte Inka-und spanische Kolonialstadt Cuenca. Die Hauptachse des Inka-Reiches führte von Cusco in Peru über Cuenca bis zur Hauptstadt Ecuadors, Quito. Somit war der Besuch Cuencas und von Ingapirca, der wichtigsten und größten Ruinenstadt aus der Inka-Zeit in Ecuador, unser primäres Ziel für diese Woche.

Welcome to Ecuador!

Ich hatte Ecuador bereits 2006 einen mehrwöchigen Besuch abgestattet, damals standen jedoch primär der Besuch der Galapagos-Inseln und des Amazonas-Gebietes im Cuyabeno-Nationalpark im Fokus. Aus dieser Zeit habe ich noch einen sehr positiven Eindruck von Ecuador als Land und seinen Menschen im Hinterkopf … seitdem sind jedoch 18 Jahre vergangen und es ist einiges passiert …

And welcome to Cuenca!

War Ecuador damals eines der friedlichsten und sichersten Länder Lateinamerikas, so ist es heutzutage das genaue Gegenteil! Gewalt und Bandenkriminalität sind allgegenwärtig, insbesondere in den Küstenregionen. Drogenanbau und -handel, Schutzgelderpressung, Entführungen und gezielte Tötungen politischer Gegner haben Ecuador binnen 18 Jahren zu einem der gefährlichsten Länder Lateinamerikas und weltweit werden lassen … bedrückend, wenn man das Land aus vorheriger Zeit kennen und lieben gelernt hat.

Ecuador ist nämlich einzigartig, vielfältig und faszinierend, seine Menschen – damals, wie heute – liebenswert, freundlich, hilfsbereit und aufgeschlossen. Doch auch die Bevölkerung leidet enorm unter den Konsequenzen der Entwicklungen der letzten Jahre, die durch Fehlentscheidungen und Inkonsequenz der beiden vorherigen Regierungen begünstigt wurde. Die unkontrollierte Zuwanderung desillusionierter venezolanischer Flüchtlinge in hoher einstelliger Millionenhöhe tut ihr Übriges: armutsgetriebene Übergriffe auf die Bevölkerung durch Flüchtlingsbanden lassen die Angst überborden …

Auch als Tourist erfährt man den Zustand des Landes hautnah. Nachts sind die Städte und Dörfer ausgestorben, jeder verbarrikadiert sich hinter seinen mit Gittern geschützten eigenen 4 Wänden … so auch Reisende wie wir … geschützt durch die Umzäunung und Sicherheitsinfrastruktur eines Campingplatzes oder Hotels. Frei stehen? Nicht anzuraten! Fahrzeug unbeaufsichtigt stehen lassen? Ebenso wenig! Besichtigung touristischer Orte? Nur mit erhöhter Vorsicht!

Das waren also die Rahmenbedingungen, mit denen wir hier in Ecuador unsere erste Woche verbrachten. Der Besuch Cuencas, Ingapircas und Ibarras verlief völlig problemlos. Wir bewegen uns tagsüber, stehen auf Campingplätzen, wie hier auf der Finca Sommerwind in Ibarra, von Hansjörg betrieben, der vor 14 Jahren nach Ecuador ausgewandert ist, und geniessen die ehrliche Warmherzigkeit und Freundlichkeit der Menschen. Offensichtlich lassen sie sich nicht unterkriegen, richtig so!

Die Landschaften sind faszinierend, wie fast nirgendwo sonst in Südamerika: eine Reihe der höchsten (und aktivsten) Vulkane der Welt auf der Panamericana, die hier Straße der Vulkane heißt. Grüne Anden-Nebelwälder im Mindo-Tal, endlose weiße Pazifikstrände, dichter immergrüner und artenreicher Amazonas-Dschungel mit indigenen Amazonas-Völkern im Cuyabeno-Nationalpark und das alles auf der limitierten Fläche eines der kleinsten Länder Südamerikas – nicht umsonst wird Ecuador als „Südamerika in einem Land“ beschrieben …

Beach-Life

Nachdem wir am letzten Wochenende die Cordillera Blanca verlassen und uns unseren spektakulären Weg durch den Cañon del Pato (Entenschlucht) Richtung Küste gebahnt haben, war unser nächster Zwischenstop bis Dienstag im hübschen Wüstenort Trujillo an der Pazifikküste vorgesehen.

Für Freunde von antiken Kulturen ist die Nordküste Perus ein Paradies. Insbesondere für Besucher mit Interesse an indigener Geschichte und Archäologie hat Trujillo mit seinen UNESCO Welterbestätten „Chan Chan“ und „Huacas de Moche“ neben einem wirklich hübschen Zentrum viel zu bieten.

Weit vor der bedeutenden Herrschaft der Inka im 15. Jahrhundert regierten die Moche über den weiten Norden Perus. Die Huacas del Sol y de la Luna in Huacas de Moche, unweit von Trujillo, zeugen von den Spuren der Moche und waren für uns auf jeden Fall einen Besuch wert.

Im Gegensatz zur glorreichen Inka-Zeit wird über die Kultur der Moche weitaus weniger berichtet. Zwar liegt die Herrschaft der Moche in der Geschichte viele Jahrhunderte weiter zurück, doch hielt sie bedeutend länger an. Das 1. bis 8. Jahrhundert nach Christus stand ganz im Zeichen der für diese Zeit hochentwickelten Moche-Kultur. Erst nach ihrer Herrschaft kamen die Chimú an die Macht, dessen Spuren man in Chan Chan erkunden kann.

Das Privileg, immer und überall freundliche, hilfsbereite und interessierte Menschen kennenzulernen, ist etwas, was für uns stets positiv in Erinnerung bleiben wird …

Chan Chan war die Hauptstadt des präkolumbischen Chimú-Reiches und befand sich an der peruanischen Pazifikküste, westlich der heutigen Stadt Trujillo. Chan Chan konnte von den Inkas mit militärischer Gewalt nicht besiegt werden. Deshalb leiteten die Angreifer im Jahr 1470 den durch die Oase fließenden Río Moche um, sodass die Einnahme der Stadt durch die bald eintretende Wasserknappheit möglich wurde. Ganz schön clever!

Die Stadt entstand etwa um 1300 und erstreckt sich noch heute über eine Fläche von 28 km². Sie war wahrscheinlich die größte Stadt der damaligen Zeit auf dem südamerikanischen Kontinent und eine der größten der Welt, die aus Lehm (Adobe) errichtet wurde. Zu ihrer Blütezeit beherbergte die Stadt etwa 60.000 Einwohner und hatte ein ansehnliches Vermögen an Gold, Silber und keramischen Kunstgegenständen angehäuft. Somit wird klar, warum die Inka Interesse daran hatten, die Stadt zu erobern …

Am Mittwoch rollten wir mit Chop-Chop dann weiter auf direktem Weg Richtung Norden nach Ecuador 🇪🇨. Vor der Einreise nach Ecuador stand jedoch für einige Tage Entspannung und Beach-Life auf dem Programm. Von Donnerstag bis zum morgigen Montag haben wir uns im „Swiss Wassi“, einem von ehemaligen Schweizern geführtes Refugium direkt an der Pazifikküste, einquartiert und standen mit Blick auf den Pazifik unter Palmen direkt am Strand etwa 50 Meter vor dem Meer. Herrlich!

In den paar Tagen hier haben wir die Seele komplett baumeln lassen und uns bei herrlichem Wetter nicht ein einziges Mal vom Strand weg bewegt … es war einfach zu schön und entspannend an diesem wundervollen Ort, zumal wir das ganze Wochenende fast alleine hier waren …

Morgen wird dann jedoch ein neues Kapitel aufgeschlagen … Ecuador, wir kommen …

Straßenblockade

Wer der Meinung ist, Streiks in Europa wären unangenehm, der darf sich gerne mal auf den Weg über den großen Teich nach Südamerika machen und miterleben, was die Bürger hier so veranstalten, wenn sie unzufrieden sind.

Insbesondere Bolivien und Peru gelten als sehr aufständisch, das durften wir bereits in Bolivien erleben. Reiseplanung nach vorherigem Studium der landesweiten Straßenblockaden, tanken nach Verfügbarkeit und dann hoffentlich passend zur Reiseplanung, Ein-/Ausreise nach offenen Grenzkontrollstellen usw.. In La Paz sind wir seinerzeit nicht einmal zum Campingplatz gekommen, weil die Straßenblockaden bereits am Sonntagabend statt wie angekündigt ab Montag errichtet wurden. Was dies für Länder mit wenig Infrastruktur bedeutet, liegt auf der Hand: Versorgungsengpässe und Mangel – gerade in den ländlichen Regionen, die per se nicht oft beliefert werden.

Dabei ist mit den Streikenden nicht zu spaßen und Rücksicht auf Touristen nehmen sie auch nicht! Will man sich an den Blockaden vorbei schleichen, wie wir es versucht haben, reagieren sie gereizt bis agressiv, schmeißen schon mal mit Steinen und blockieren Ausweichstrecken mit Dornenbüschen und Patrouillen. Da bleibt oft nur … warten … manchmal tagelang. Wohl dem, der in so einer Situation sein Zuhause unterm Hintern hat … so wie wir.

Just heute war es wieder so weit … und völlig unangekündigt. Auf dem Weg zur Nordküste Perus, wo wir uns ein paar Tage auf einem Campingplatz direkt am Strand unter Palmen auf die für kommenden Montag geplante Einreise nach Ecuador vorbereiten und etwas chillen wollten, war nach 2/3 der Strecke Schluß … Kilometerlanger Stau und Stillstand. Ein Busfahrer vor uns teilte uns nach einer knappen Stunde mit, das hier nichts mehr geht – bis morgen oder übermorgen … oder nächste Woche 🤔.

Nicht mit mir!

Rechts von der Straße runter, einen Feldweg ins Hinterland und im großen Bogen wieder südlich auf die Hauptstrasse in umgekehrter Richtung. Kurz die Optionen sondieren und ab ging‘s über die – auch noch idyllischere – Küstenstrasse. Nun gut, hat uns 3 Stunden gekostet aber immer noch besser, als ein ganzer Tag oder zwei … oder eine Woche …

Hintergrund? Streik der LKW-Fahrer wegen der ungeliebten Interimspräsidentin Dina Boluarte – seit Ende 2022 im Amt. Die Lage in Peru ist derzeit wieder angespannt, die Proteste nehmen erneut Fahrt auf. Ende 2022 wurde gegen die Amtsenthebung und Verhaftung des damaligen linken und indigenen Präsidenten Pedro Castillo protestiert. Wie rea­giert die Zivilgesellschaft dieses Mal auf die Repression? Die Angst geht um, denn niemand weiß, ob die Ordnungskräfte nicht doch zur Schusswaffe greifen wie damals. Das dämpft die Bereitschaft, auf die Straße zu gehen – nicht nur in Lima, mehr noch auf lokaler Ebene. Immerhin wurden vier Menschen kürzlich zu Haftstrafen verurteilt, nur weil sie protestiert haben.

Die Lage dabei ist kompliziert. Peru hat eine Regierung, die für den Großteil der ­Bevölkerung und vor allem für die indigene Bevölkerung keine Legitimität hat. Das ist sicherlich ein Grund, weshalb es starke Repression seitens der Regierung gibt. Die hat zwar nicht das Niveau wie bei den Protesten vom ­Dezember 2022 und Januar 2023, als, je nach Quelle, zwischen 50 und 70 Menschen von Armee und Polizei erschossen wurden. Es wurden damals gezielt Schusswaffen eingesetzt. Das ist derzeit nicht der Fall, aber die Ordnungskräfte gingen bisher gegen jede Form von Protesten überaus martialisch vor.

Wir hatten hingegen heute nicht den Eindruck, als würden die Ordnungskräfte und die Polizei mit harter Hand gegen die Blockade vorgehen, ganz im Gegenteil. Es sah eher danach aus, als würden die Ordnungskräfte die Proteste dulden oder sogar mit den Protestanten sympathisieren …

Cordillera Blanca

Perus höchste Gipfel liegen in der Cordillera Blanca, der zweithöchsten Bergkette der Welt. In der Cordillera Blanca gibt es zudem die ausgedehntesten Gletschergebiete in tropischen Breiten, etwa ein Viertel aller tropischen Gletscher befinden sich dort. Mit einer Länge von 180 km und über 50 Bergen, die über 5.700 Meter hoch sind, ist die Cordillera Blanca die höchste Gebirgskette des amerikanischen Kontinents und zugleich die höchste in den Tropen. Nur in Asien finden sich im Schnitt höhere Gebirgsketten. Ein wahres Mekka für einen Trekking-Begeisterten wie mich 😎 …

Die Laguna Parón – eingebettet in die Cordillera Blanca

Um einen nachhaltigen Eindruck von dieser faszinierenden Gebirgskette zu bekommen, standen für uns zwei Ziele in dieser Woche auf dem Programm – eine ganztägige Trekkingtour zur „Laguna 69“ sowie eine abenteuerliche Hochgebirgsfahrt zur „Laguna Parón“ … es sollten zwei einmalige Erlebnisse werden …

Schon die Fahrt zur Laguna 69 ist spektakulär …

Ein Großteil der Cordillera Blanca ist als Nationalpark Huascarán geschützt, so auch die Laguna 69, die inmitten dieses Naturparadieses liegt. Schon die Fahrt von Lima hinauf nach Huaraz und in den Nationalpark hinein ist ein Highlight.

Von Huaraz aus, dem Zentrum aller Wanderliebhaber und Bergsteiger in Peru, führt eine grandiose Eintages-Trekkingtour von unserem Campamento auf 3.900 Metern hinauf zur Laguna 69, einem wunderschönen türkisblauen Bergsee, eingebettet in schroffe Felswände auf 4.680 Meter Höhe. Die Wanderung dorthin? So türkis, so einzigartig und so unvergesslich schön …

Beeindruckend schöne Hochland-Wiesen gehen langsam über in eine faszinierende Berglandschaft bis hin zu Gletscherwänden und bilden zusammen mit Wasserfällen die Kulisse bei dieser Wanderung – doppelt atemberaubend! – zum einen wegen der unglaublich schönen Ausblicke, zum anderen auch wegen der Höhe 😉 …

Knapp 800 Höhenmeter auf dieser Höhe zu überwinden, ist eine Herausforderung … doch der Anblick ist alle Anstrengungen wert – dafür hat sich jeder Schritt mehr als gelohnt! Der See hat die typisch milchige Farbe von Gletscherseen – auch Gletschermilch genannt . Dahinter erheben sich gigantische graue Kalksteinwände, die nach wenigen Höhenmetern direkt in die gewaltigen Eiswände des Chacraraju übergehen, einem der schönsten aber wohl auch schwierigsten 6.000er der Cordillera Blanca.

Einziger Wermutstropfen – die unvergesslichen Eindrücke kann ich nur mit mir alleine teilen, da Natalie die Tour auf dieser Höhe nicht geschafft hätte und deshalb Chop-Chop „bewacht“ hat. Schade!

Dafür war sie dann aber bei der kurzen 45-minütigen Wanderung zur Laguna Parón dabei, bei der es auch immerhin 200 Höhenmeter zu überwinden galt. Die Laguna liegt in einem Seitental weiter nördlich, die Fahrt dorthin mit Chop-Chop war abenteuerlich! In unzähligen Spitzkehren auf einer max. 5 Meter breiten Schotter- und Steinpiste und mit Gegenverkehr kämpfte sich unser Chop-Chop unermüdlich vom auf 2.200 Meter gelegenen Caraz hoch auf 4.100 Meter. Während der ganzen etwa 2-stündigen Fahrt war Hochkonzentration angesagt, ging es doch auf der einen Seite steil hinunter. Seitenbegrenzung? Fehlanzeige! Auf der anderen Seite hingegen steile Felswände mit der allgegenwärtigen Gefahr von Steinschlag. Dann urplötzlich … Endstation! Ein Erdrutsch hat die Piste auf einer Länge von 20 Meter komplett wegrasiert. Blieb uns – etwa 1,5 Kilometer vor der Laguna – nur, Chop-Chop auf einem ebenen Gelände mit verlassenen Gebäuden abzustellen und das Nachtquartier hier oben aufzuschlagen. Ziel: am kommenden Morgen über das Geröllfeld auf die andere Straßenseite zu klettern, um die restlichen 1,5 Kilometer zur Laguna zu laufen. Hat geklappt 😅!

Für den Anblick der Laguna Parón – hufeisenförmig eingebettet in die Gipfel der umliegenden 6.000er der Cordillera Blanca – fehlten uns glatt die Worte. Die Schönheit dieser Szenerie ist kaum in Worte zu fassen und selbst die besten Fotos vermögen nicht im Entferntesten die Gefühle auszudrücken, die uns beim Anblick dieses Naturspektakels mit den eigenen Augen überkamen.

Es sind immer wieder und zum hundertsten Mal diese einmaligen Erlebnisse auf dieser Reise, die uns so unendlich dankbar sein lassen für das Privileg, das wir haben, um so eine einmalige Reise unternehmen zu können …

Deutschland in Peru

In Brasilien hatten wir bereits das schräge Erlebnis, deutsche Kultur mitten in Südamerika kennenzulernen. Umso weniger waren wir überrascht, auch hier in der Hauptstadt Perus, Lima, eine Enklave deutschen Volksgutes zu entdecken … in diesem Fall jedoch weitaus weniger schräg als damals in Brasilien und zudem mit handfesten Vorteilen für uns.

Der German Country Club – auch Club Germania genannt – liegt in Surco, einem gehobenen Stadtteil Limas – wer hätte es vermutet. Der Verwaltungschef Willy, selbstredend Deutscher, hat ein Faible für Overlander, wie wir, und lässt sie bereitwillig und kostenfrei auf dem Vereinsgelände mitten in Lima für ein paar Tage übernachten. Perfekt! Es werden jedoch ausschließlich Overlander mit deutschem Paß aufgenommen … Glück gehabt 😎. Normalerweise bekommt man nur eine Übernachtung bewilligt, wenn man jedoch nett nachfragt, wie wir, auch schon mal drei Nächte.

So blieben wir das gesamte Wochenende von Freitag bis Montag in Lima, besichtigten die wunderschönen Stadtteile Miraflores, Barranco und das Centro Histórico von Lima, gingen lecker Ceviche essen und konnten alle Einrichtungen des Clubs, wie das tolle Schwimmbad, den Sportplatz und die modernen und heißen Duschen, mit nutzen. Was will man mehr?

Künstlerviertel Barranco

Die Stadtteile Miraflores und Barranco liegen direkt an der Steilklippe, die das höher gelegene Lima vom Strand und der Schnellstrasse trennt. Von hier hat man teils spektakuläre Aussichten auf den Pazifik und die Skyline der Stadt. Das diese Stadtteile bei den betuchteren Einheimischen sehr beliebt sind, liegt auf der Hand. Durch die zahlreichen Parks konnten wir kilometerlang an der Steilküste entlang spazieren und das Leben der Einheimischen beobachten.

Lima liegt spektakulär an einer Steilküste hoch über dem Pazifik …

Das historische Zentrum Limas ist um den zentralen Plaza Mayor angesiedelt. Pünktlich zum alltäglichen, fantastisch choreographierten Wachwechsel der Präsidentengarde um 12 Uhr waren wir am Sonntag am Präsidentenpalast und konnten das Spektakel miterleben … einmalig!

Das historische Zentrum Limas ist primär geprägt durch die fantastisch verzierten Holzbalkone der kolonialen Gebäude, die insbesondere rund um den Plaza Mayor grandios erhalten sind.

Plaza Mayor von Lima

Wir hatten anschließend mal wieder das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und konnten die Tanzgruppen der „Fiesta Cultural“ bei ihrem Marsch durch das historische Zentrum und die Innenstadt begleiten. Diese regelmäßig stattfindenden öffentlichen Tanzveranstaltungen erinnern uns mit ihrer Farbenpracht, Fröhlichkeit und Lebensfreude regelmäßig an südamerikanischen Karneval. By the way … hatte ich erwähnt, daß wir Tickets ergattern konnten für Karneval in Rio 2025? Ja, wir sind Anfang März dabei und zwar mit Plätzen im Sektor 11 des Sambodromos – exakt dort, wo die Sambaschulen hindurchtanzen … wir freuen uns mega darauf!

Nach einem entspannten Wochenende in Lima zog es uns dann am Montagmittag weiter Richtung Norden, wo für diese Woche ein mehrtägiger Abstecher in die landschaftlich grandiose „Cordillera Blanca“ in den nördlichen Anden Perus ansteht. Diese Gebirgskette ist mit einer Länge von 180 km und über 50 Bergen über 5700 m die höchste des amerikanischen Kontinents und zugleich die höchste in den Tropen. Mit ihren weißen Berggipfeln, zerklüfteten Tälern, ihren türkisfarbenen Gletscherlagunen und den einmaligen Trekkingrouten ein absolut lohnendes Ziel für uns …

Sandspielplatz

Nach dem Kultur-Overflow der letzten 4 Wochen mit Besuch von La Paz, Copacabana, dem Titicacasee, Cusco, dem Valle Salgado, Machu Picchu und Nazca war es mittlerweile höchste Eisenbahn, mal wieder den Chill-Modus einzulegen 😎.

Gesagt, getan!

Was lag da näher, als diesen Chill-Modus erneut an der Pazifik-Küste – diesmal der peruanischen – auszurufen, zumal dort Outdoor-Abenteuer, Beach-Life und erneut eine fantastische Natur auf uns warteten. Somit war unser Ziel für die letzte Woche klar … die Oase Huacachina und Paracas mit der gleichnamigen Halbinsel – ein Natur-Reservat allererster Güte …

Bei Peru denken viele oft zu allererst an Machu Picchu, dann vielleicht noch an die Rainbow Mountains oder den Amazonas. Aber dass sich in Peru eine riesige Wüste inklusive einer wunderschönen Oase befindet, das haben viele nicht auf dem Schirm. Dabei wartet mit der Wüstenoase Huacachina in der Atacama Wüste (ja immer noch die aus Chile, die sich bis hierhin zieht 😉) im Westen nahe der Pazifikküste ein Ort wie aus dem Bilderbuch … wie geschaffen für uns!

Die Oase besteht nur aus einem idyllischen See mit ein paar Palmen und einigen Straßen drum herum und ansonsten ist da nur: Sand – und zwar so weit das Auge reicht. Die Dünen sind hier bis zu 200 Meter hoch und bieten super Spots, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Das absolute Highlight in Huacachina ist jedoch eine Sandbuggy und Sandboarding Tour. Ganz mein Fall, Natalies weniger … ihr wißt ja, Seekrankheit und so … auf einem Sandbuggy geht‘s halt ähnlich schaukelig zu, wie auf einem Antarktis-Schiff bei einem Hurrikan … you remember?

Sicher, der gesamte Ort ist auf Tourismus ausgelegt – was uns in dem Fall aber nicht gestört hat. Warum? Weil wir mit unserem Chop-Chop direkt im umzäunten Bereich der EcoLodge Huacachina standen und dort mit Pool, Pool-Bar, Restaurant und sonstiger Infrastruktur alles hatten, was wir brauchten und vor dem allabendlichen Trubel vor dem Zaun „geschützt“ waren.

An diesem tollen Ort verbrachten wir dann auch 3 Tage, gerne wären wir länger geblieben. Da in knapp 2 Monaten jedoch das Weihnachtsfest lauert und wir dieses inklusive Jahreswechsel entspannt an der noch knapp 4.000 Kilometer entfernten kolumbianischen Karibikküste unter Palmen verbringen möchten, haben wir einen groben Zeitplan bis dahin erstellt, an dem wir uns fortan orientieren. Vor allen Dingen, weil unterwegs dorthin noch so einige spannende Ziele in Nord-Peru, Ecuador und Kolumbien auf uns warten.

So ging es am Mittwoch für 2 weitere Tage direkt an die Pazifikküste nach Paracas und die Paracas-Halbinsel. Das Natur-Reservat der Paracas-Halbinsel mit seinen vorgelagerten Inseln ist Heimat von tausenden Vögeln wie PelikaneKormorane und Perutölpel, aber auch von Seelöwen, Delfinen und Humboldt-Pinguinen! Die Kleinstadt Paracas ist das Tor zu diesem Naturparadies und selbstredend deshalb auch eines der touristischen Hotspots Perus. Die wilde Mischung aus Wüste und Küstenlandschaft mit Steilklippen wie an der Algarve hat uns wirklich beeindruckt, auch weil wir mit Chop-Chop entspannt auf einem Rundweg alle interessanten Orte an einem Tag abfahren konnten … das ist hier in Südamerika ja oftmals ganz anders 😜.